Folge 2: Wirtschaft, Diplomatie, Innovation: Österreichs Brücke nach Indien

Shownotes

Botschafter Peter Launsky-Tieffenthal, Diplomat und Sonderbeauftragter für globale Fragen bei Bundeskanzler Christian Stocker, gibt Einblicke zur Indien-Reise – von der Vorbereitung bis zu den wirtschaftlichen und politischen Ergebnissen.

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00:00:00: Viele wichtige Entscheidungen gerade über  Infrastrukturprojekte werden auf Ebene der

00:00:04: Regierung in Indien und des Premierministers  persönlich getroffen und insofern war es den

00:00:10: Bundeskanzler ein Anliegen, den österreichischen  Firmen diesen Zugang zu eröffnen.

00:00:19: [Musik]

00:00:19: Moderatorin: Willkommen am Ballhausplatz, den  Podcast des österreichischen Bundeskanzleramts.

00:00:24: Mein Name ist Amra Ducic und gemeinsam blicken  wir hinter die Kulissen und sprechen über

00:00:28: aktuelle Schlagzeilen. Mein heutiger Gast  ist Botschafter Peter Launsky-Tieffenthal.

00:00:34: Er ist Diplomat und Sonderbeauftragter für globale  Fragen vom Bundeskanzler Christian Stocker.

00:00:40: Seine Karriere begann er im Außenamt. Unter  anderem war er auch an der Botschaft in Delhi,

00:00:45: wurde später Sektionschef und Generalsekretär und

00:00:48: ab 2012 der Secretary General der Vereinten  Nationen bei UN-Generalsekretär Ban Ki-moon.

00:00:56: Heute spreche ich mit ihm über die Reise vom  Bundeskanzler Christian Stocker nach Indien, seine

00:01:02: Erfahrungen und die Ergebnisse der Reise. Herzlich  willkommen Botschafter Launsky-Tieffenthal.

00:01:07: Launsky-Tieffenthal: Vielen Dank  für die liebe Einladung. Danke sehr.

00:01:10: Moderatorin: Herr Launski, Sie waren  maßgeblich an der Vorbereitung des

00:01:16: offiziellen Besuchs von Bundeskanzler  Christian Stocker in Indien beteiligt.

00:01:21: Wie läuft die Vorbereitung einer solchen Reise ab?

00:01:24: Launsky-Tieffenthal: In so turbulenten Zeiten wie  diesen sucht Österreich sowie das andere Land nach

00:01:31: neuen Partnern, nach neuen Märkten und Indien lag  auf der Hand, weil Indien die derzeit am stärksten

00:01:40: wachsende Volkswirtschaft ist mit über 7 %. Es  gibt sehr große Wirtschaftsinteressen seitens

00:01:47: österreichischer Unternehmen. Wie läuft es ab? Man  setzt sich zusammen im Team des Bundeskanzleramts,

00:01:54: überlegt sich, welche österreichischen  Interessen der Bundeskanzler anlässlich

00:01:59: seiner Reise aufgreifen und unterstützen  könnte. Ob das wirtschaftlicher Natur,

00:02:04: ob die wirtschaftlicher Natur sind,  kultureller Natur, Wissenschaft, Bildung,

00:02:10: und tauscht sich dann im Wege über die beiden  Botschaften, die österreichische Botschaft in

00:02:15: Delhi und die indische Botschaft in Wien, aus  in der Vorbereitung des tatsächlichen Besuchs.

00:02:22: Und so war jetzt auch beim kürzlich  abgehaltenen Besuch des Bundeskanzlers.

00:02:27: Moderatorin: Nachdem so ein  Programm für die Reise feststeht,

00:02:31: wie läuft die Koordinierung  mit dem indischen Gegenüber ab?

00:02:34: Launsky-Tieffenthal: In der Vorbereitung gibt's  3 verschiedene Teile. Der eine Teil beschäftigt

00:02:40: sich mit logistischen Fragen, mit der Anreise und  der Reise vor Ort. Es wurde ja neben New Dehli

00:02:46: auch ein Teil der Delegation nach Mumbai gereist  und geflogen. Es gibt einen inhaltlichen Teil,

00:02:55: der sich mit den Themen befasst, die anlässlich  dieses Besuchs angesprochen werden sollen. Und es

00:03:01: gibt einen Teil, der sich mit der Zusammensetzung  der Delegation befasst. Die Zusammensetzung

00:03:08: der Delegation soll die Ziele des Besuchs des  Bundeskanzlers widerspiegeln. Wie erwähnt, es gab

00:03:14: eben eine sehr starke wirtschaftliche Komponente,  aber eben auch eine kulturelle, Tourismus,

00:03:22: wissenschaftliche und Forschungszusammenarbeit.  Und die Delegation, die den Bundeskanzler

00:03:28: begleitet hat, hat aus Personen bestanden, die  diese Teile und diese Themen repräsentieren.

00:03:35: Moderatorin: Welche Rolle  haben Sie dabei wahrgenommen?

00:03:38: Launsky-Tieffenthal: Wie Sie schon  erwähnt haben, hatte ich die Ehre,

00:03:42: Österreich zweimal 4 Jahre lang in Indien zu  vertreten. Es liegt zwar schon einige Zeit zurück,

00:03:48: aber dennoch konnte ich viele der Kontakte, die  ich damals hergestellt habe, auch pflegen in den

00:03:56: vergangenen Jahrzehnten und ein bisschen darauf  aufbauen. Und so hatte ich auch die Möglichkeit,

00:04:00: im Vorfeld der Reise des Bundeskanzlers  gemeinsam mit einem Team des Hauses

00:04:06: nach Indien zu reisen, um diesen Besuch des  Bundeskanzlers vorzubereiten. Kollegen des

00:04:13: Protokolls waren dabei, auch unsere Botschaft  in New Delhi. Und dort sind wir die einzelnen

00:04:19: Programmpunkte durchgegangen, die dann Teil  des Besuchs des Bundeskanzlers geworden sind.

00:04:25: Moderatorin: Wodurch zeichnet sich  die indische Kultur ab? Wie haben

00:04:29: Sie die Vorbereitungen für diese Reise empfunden?

00:04:33: Launsky-Tieffenthal: Ich glaube, es  ist wichtig, dass man daran erinnert,

00:04:37: dass Premierminister Modi, also der  indische Regierungschef, im Jahr 2024

00:04:42: mit einer großen Delegation, insbesondere auch  Wirtschaftsdelegation, Österreich besucht hat,

00:04:48: und dass es sowohl seitens Indiens als  auch Österreichs ein Interesse gegeben hat,

00:04:53: dass der Bundeskanzler einen Gegenbesuch in  Indien absolviert. Das Timing war insbesondere

00:05:02: sehr positiv, weil Indien und die Europäische  Union vor kurzem ein wichtiges Freihandelsabkommen

00:05:08: unterzeichnet haben, dass es der österreichischen  Wirtschaft ermöglichen wird, unter besseren

00:05:15: Startbedingungen den Austausch mit indischen  Unternehmen zu führen bzw. ihre Produkte,

00:05:23: Serviceleistungen oder Infrastruktur-Einrichtungen  anzubieten bei öffentlichen Ausschreibungen.

00:05:32: Und so haben wir auch die Vorbereitung dazu  genützt, speziell österreichische Unternehmen zu

00:05:38: identifizieren, deren Anliegen der Bundeskanzler  bei seinem Besuch in Delhi unterstützen konnte.

00:05:46: Moderatorin: Ist es üblich, dass  so ein Gegenbesuch stattfindet?

00:05:50: Launsky-Tieffenthal: Das ist in der Diplomatie  eine Usance, sozusagen ein Gebrauch, ein Brauch,

00:05:57: dem wir aber in diesem Fall auch sehr gerne  nachgekommen sind. Es ist nicht immer so,

00:06:02: dass der Gegenbesuch in so kurzer Zeit  nach einem erfolgten Besuch eben jetzt

00:06:08: aus Indien nach Österreich stattfindet,  aber es ist durchaus gebräuchlich so.

00:06:12: Moderatorin: Bundeskanzler Christian Stocker  hat in der vergangenen Podcast-Folge erwähnt,

00:06:18: dass dies wohl seine bisher inhaltsreichste  Reise war. Mit 60 Unternehmerinnen und

00:06:24: Unternehmern aus Österreich waren vor allem  die Themen Wirtschaft und Innovation auf der

00:06:28: Agenda. Warum ist Indien wirtschaftlich  so stark und für Österreich interessant

00:06:33: und warum werden auf solche Reisen auch so  große Wirtschaftsdelegationen mitgenommen?

00:06:37: Launsky-Tieffenthal: Also, erst einmal  ist Indien das bevölkerungsreichste Land

00:06:42: der Erde mit mehr als 1,4 Milliarden Einwohnern.  Aber was noch wichtiger ist eine andere Zahl:

00:06:49: Etwa 700 Millionen Inder gehören inzwischen  zur Mittelklasse in Indien und sind damit

00:06:56: potenzielle Konsumenten österreichischer Produkte,  österreichischer Serviceleistungen, aber auch vor

00:07:01: allem Ziel österreichischer Infrastrukturprojekte,  ob das im Bereich Transport, auf Schiene,

00:07:12: mittels Liften oder auf Straßen ist, aber  auch Wasser-Kraftwerke beispielsweise bei der

00:07:20: Energieversorgung, ein Bereich, in dem Österreich  seit vielen Jahrzehnten erfolgreich am indischen

00:07:26: Markt tätig ist. Und insofern spiegeln  diese 60 österreichischen Unternehmen,

00:07:34: die den Herrn Bundeskanzler begleitet haben, eben  die Interessen und die Projekte österreichischer

00:07:40: Unternehmen in Indien wider. Insofern  ist es auch nicht überraschend gewesen,

00:07:45: dass sich so viele Unternehmen gemeldet haben.  Man sollte vielleicht auch ergänzen, dass

00:07:50: die Politik in einem Land wie Indien durchaus  eine Art Türöffner-Funktion hat. Viele wichtige

00:07:56: Entscheidungen, gerade über Infrastrukturprojekte,  werden auf Ebene der Regierung in Indien und

00:08:00: des Premierministers persönlich getroffen. Und  insofern war es dem Bundeskanzler ein Anliegen,

00:08:08: den österreichischen Firmen diesen Zugang, sowohl  in Mumbai in Begleitung des Wirtschaftsministers

00:08:14: Hattmannsdorfer, als auch in Dehli, wo er selbst  die Delegation geleitet hat, zu eröffnen. Und

00:08:22: ich glaube, dass das auch sehr, sehr erfolgreich  gelungen ist und auch auf sehr positiven Widerhall

00:08:28: sowohl bei den indischen Gastgebern als auch bei  den österreichischen Unternehmen gestoßen ist.

00:08:33: Moderatorin: Hat die Mitnahme  bei so einem offiziellen Besuch

00:08:36: vielleicht auch eine andere  Kraft für die Unternehmen?

00:08:39: Launsky-Tieffenthal: Zweifelsohne. Diese  Unternehmen sind eben vielfach schon sehr

00:08:44: Jahrzehnten am indischen Markt tätig, haben sich  also einen, gewissermaßen einen positiven Ruf

00:08:51: erarbeitet. Nichtsdestotrotz, der internationale  Wettbewerb ist groß. Österreichische Unternehmen

00:08:58: stehen in einem Wettstreit mit Unternehmen  aus der ganzen Welt. Aber es spricht für die

00:09:04: Qualität der österreichischen Unternehmen und  für die Qualität ihrer Arbeit und der Produkte,

00:09:09: die sie anbieten, dass sie immer wieder zum  Zug kommen, bedarf aber hier und da und im

00:09:16: konkreten Fall auch der Unterstützung durch die  Politik und in dem Fall durch den Bundeskanzler.

00:09:22: Moderatorin: Im Gespräch mit Premierminister Modi  hat Bundeskanzler Christian Stocker auch über die

00:09:27: aktuelle weltpolitische Lage gesprochen, die  Straße von Hormus. Warum ist Österreich ein

00:09:32: Ort des Gesprächs? Wie hat sich Österreich  in der Vergangenheit diesen Ruf erarbeitet?

00:09:37: Launsky-Tieffenthal: Ich glaube, wenn 2  Regierungschefs in diesen Tag zusammentreffen,

00:09:44: können sie gar nicht anders als über  die Herausforderungen der heutigen Zeit

00:09:48: sprechen, die insbesondere durch den russischen  Angriffskrieg gegen die Ukraine, aber eben auch

00:09:54: durch die Konflikte in der Golfregion  zusammenhängen, sprechen. Und sowas auch

00:10:03: im konkreten Fall. Beide unsere Länder sind von  diesen Konflikten betroffen, nicht zuletzt auch,

00:10:10: wie Sie erwähnt haben, von der Sperre der Straße  von Hormus, wobei im konkreten Fall Asien noch

00:10:16: stärker betroffen ist als Europa, weil, wenn ich  mich richtig erinnere, 60 % der Energieversorgung

00:10:23: Indiens über die Straße von Hormus kommt. Und  dementsprechend war das auch ein großes Thema,

00:10:33: insofern auch für Österreich interessant, als  alternative Formen der Energie, erneuerbare

00:10:38: Energie, Wasserkraft, als Kooperationsthema  auch auf der Tagesordnung gestanden hat.

00:10:47: Zum zweiten Teil Ihrer Frage, was Österreich  und Wien als Standort internationaler Gespräche

00:10:54: anbelangt. Wien und Österreich haben eine  jahrzehntelange Tradition. Ich würde meinen,

00:11:00: seit Beginn der zweiten Republik im Jahr 1955 war  Wien und war Österreich immer wieder Schauplatz

00:11:06: internationaler Treffen. Warum? Weil wir einer  der Gastgeber der Vereinten Nationen sind,

00:11:12: also eines der Headquarters in Wien beheimatet  ist, wo wichtige Themen abgehandelt werden,

00:11:18: Themen wie die nukleare Abrüstung, Themen wie  der Kampf gegen organisierte Kriminalität,

00:11:26: gegen Drogen, gegen Menschenhandel, aber  auch das Thema Weltall und wie können wir

00:11:32: uns das Weltall zu Nutze machen. Es ist, glaube  ich, auch wichtig darauf hinzuweisen, dass die

00:11:39: letzten Abrüstungsgespräche zwischen den USA und  Russland vor Beginn des russischen Angriffskriegs

00:11:45: gegen die Ukraine in Wien stattgefunden haben, bis  wenige Tage davor, dass es zweimal, sowohl 2014/15

00:11:54: als auch dann später 2018/19, Verhandlungen  zum iranischen Nuklearprogramm gegeben hat,

00:12:02: an dem nicht nur Iran und die USA, sondern China,  Russland, England, Frankreich, Deutschland,

00:12:09: stattgefunden haben, weil der Hauptsitz der  Internationalen Atomenergiebehörde eben auch

00:12:15: in Österreich in Wien ist und man für derartige  schwierige Verhandlungen eben auch der Expertise

00:12:22: dieser Organisation bedarf. Und so kommt es nicht  überraschend, dass Österreich auch jetzt und heute

00:12:30: seine Dienste anbietet, künftig hin wieder  Schauplatz derartiger Verhandlungen zu sein.

00:12:37: Moderatorin: Und nur noch zu einer letzten  Frage. Österreich und Indien haben sich in

00:12:43: einem Joint-Statement für eine vertiefende  Zusammenarbeit in unterschiedlichsten

00:12:47: Bereichen ausgesprochen. Welche  Bereiche werden dabei umfasst?

00:12:53: Launsky-Tieffenthal: Sie haben es vorhin erwähnt,  ich bin oder hab die Ehre seit Jahrzehnten in der

00:12:59: Diplomatie tätig zu sein und ich muss sagen,  dass diese gemeinsame Erklärung, die zwischen

00:13:05: Indien und Österreich im Vorfeld des Besuchs  des Bundeskanzlers ausgearbeitet worden ist,

00:13:11: wahrscheinlich die sowohl vom Umfang als auch  vom Inhalt qualitativ beste, das qualitativ beste

00:13:20: gemeinsame Dokument darstellt, dass die Grundlage  für die Zusammenarbeit in den nächsten Jahren

00:13:28: bietet, und dass diese Themen eben bei diesem  Besuch zur Sprache gekommen sind. Sie haben

00:13:35: erwähnt oder wir haben gemeinsam schon das Thema  Wirtschaft besprochen. Geht aber auch darum,

00:13:40: dass beispielsweise beide Länder interessiert  sind, reisende Touristen aus dem jeweils

00:13:45: anderen Land in größerer Zahl zu besuchen, zu  empfangen. Es geht um das Thema duale Ausbildung.

00:13:54: Wie kann man jungen Menschen damit eine bessere  Perspektive bieten? Es geht um die Kooperation

00:14:00: mit Bollywood. Bollywood ist sehr interessiert,  in Österreich Dreharbeiten durchzuführen,

00:14:07: die aufgrund der Sicherheitssituation im Norden  Indiens derzeit nicht durchgeführt werden können.

00:14:14: Es geht um den Bereich der Kooperation im Weltall.  Indien bietet als eines der wenigen Länder an,

00:14:25: Satelliten in die Erdumlaufbahn zu schicken und  Österreich entwickelt derartige Satelliten und

00:14:31: benötigt einen Partner, um die eben auch in die  Erdumlaufbahn zu entsenden. Also eine Vielzahl

00:14:38: von Zusammenarbeitsfeldern, die sich auch  in der Vorbereitung und dann schlussendlich

00:14:44: Unterzeichnung von Vereinbarungen zwischen  Indien und Österreich manifestiert haben.

00:14:49: Moderatorin: Für die, die sich für  das Joint-Statement interessieren,

00:14:53: dieses ist auf der Webseite des Bundeskanzleramts  abzurufen. Herr Launski-Tieffenthal, vielen Dank

00:14:59: für Ihre Zeit und für dieses Gespräch und diese  spannenden Einblicke in diesen offiziellen Besuch.

00:15:06: Launsky-Tieffenthal: Sehr, sehr gerne.  Danke vielmals noch mal für die Einladung.

00:15:08: Moderatorin: Das war am Ballhausplatz, der Podcast  des österreichischen Bundeskanzleramts. In der

00:15:13: nächsten Folge spricht meine Kollegin Annette  Weber mit Staatssekretär Alexander Pröll.

00:15:19: Alle Folgen finden Sie dort, wo Sie Podcasts  hören: auf Spotify, Apple Podcast und auf

00:15:24: der Webseite des Bundeskanzleramts. Danke  fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge.

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