Folge 13: Was bringt der neue EU-Asylpakt?
Shownotes
Innenminister Gerhard Karner spricht über die neue EU-Rückkehrverordnung, Abschiebezentren in Drittstaaten und die Umsetzung des europäischen Asylpakts. Außerdem geht es um den österreichischen Reisepass, der mit modernsten Sicherheitsmerkmalen zu den fälschungssichersten Reisedokumenten der Welt zählt.
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00:00:00: Ich befürworte sie nicht nur, ich habe jetzt jahrelang dafür gekämpft.
00:00:04: Bin jetzt über viereinhalb Jahre Innenminister und
00:00:07: als ich vor dreieinhalb Jahren, als Österreich ganz besonders auch von einer,
00:00:12: illegaler Migration betroffen war,
00:00:14: die Zahlen genannt an der burgenländischen Grenze,
00:00:17: habe ich gesagt, wir müssen darüber reden, wie wir solche Rückkehrzentren einrichten.
00:00:21: Gemeinsam mit Dänemark haben wir ein Projekt vorangetrieben.
00:00:24: Es war damals ganz konkret Ruanda.
00:00:28: Damals gab's die rechtlichen Möglichkeiten nicht.
00:00:29: Ich habe gesagt, wir müssen auch wieder Richtung Syrien und Richtung Afghanistan abschieben.
00:00:34: Da haben zwei Drittel der europäischen Länder den Kopf geschüttelt, wie man so etwas vorschlagen kann.
00:00:39: Jetzt ist es Gott sei Dank so, dass alle, fast,
00:00:42: praktisch alle europäischen Länder der Meinung sind, dass wir das tun sollen.
00:00:46: Und daher sind wir auch, war Europa auch bereit, hier die Regeln klar zu ändern, Ja, zu verschärfen.
00:00:53: [Musik]
00:00:56: Moderatorin: Willkommen "Am Ballhausplatz", den Podcast des österreichischen Bundeskanzleramts.
00:01:01: Mein Name ist Amra Mulic und gemeinsam blicken wir hinter die Kulissen und
00:01:04: sprechen über aktuelle Schlagzeilen. Diese Woche begrüße ich Innenminister
00:01:09: Gerhard Karner im Studio. Im Fokus stehen die EU-Einigung auf Abschiebezentren in
00:01:14: Drittstaaten und 2 Millionen neue Reisepässe. Herzlich willkommen, Herr Innenminister.
00:01:20: Innenminister Gerhard Karner: Grüß Gott.
00:01:23: Moderatorin: Die EU hat sich auf ein Gesetz geeinigt, das schnellere
00:01:27: und effektivere EU-weite Verfahren für die Rückkehr von Personen ermöglicht,
00:01:31: die sich illegal in EU-Mitgliedstaaten aufhalten. Ebenso wie eine EU-weite
00:01:36: Regelung für Abschiebezentren in Drittstaaten. Was bedeutet das konkret für die Asylpolitik?
00:01:41: Karner: Es sind da mehrere Dinge in der Frage verknüpft. Zunächst einmal, das Wichtigste ist,
00:01:47: dass nach fast einem Jahrzehnt Diskussion es eine Einigung gab zu einem Asylpakt, der vor
00:01:55: wenigen Tagen in Kraft getreten ist. Und das war eine Diskussion, die viele Jahre gedauert hat,
00:02:01: aber die endlich jetzt auch gilt. Und das ist das Wichtigste. Warum? Weil es sagt,
00:02:07: dass wir an den EU-Außengrenzen schnellere, strengere Verfahren haben werden, dass die
00:02:14: EU-Außengrenzen noch dichter werden müssen, dass wir auch beispielsweise in Österreich die
00:02:20: Möglichkeit haben, Rückkehrzentren einzurichten, dass wir die Möglichkeit haben, Schnellverfahren
00:02:26: durchzuführen, dass wir einfach deutlich strenger und schärfer werden in den Regelungen. Das besagt
00:02:32: der Asylpakt auf europäischer Ebene. Damit komme ich aber zur Rückkehrverordnung und
00:02:37: zur Einrichtung von sogenannten Rückkehrzentren außerhalb der Europäischen Union. Der Asylpakt auf
00:02:45: europäischer Ebene wird nur funktionieren – bin auch davon überzeugt, der wird nicht vom ersten
00:02:50: Tag an funktionieren, ich habe das mehrmals in Interviews auch gesagt, es ist keine Wundertüte,
00:02:56: aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung – wird aber nur dann funktionieren, wenn insgesamt
00:03:02: weniger Druck auf die EU- Außengrenzen zukommt. Wie kommt weniger Druck auf die Außengrenzen zu?
00:03:10: Wenn wir einerseits Verfahren außerhalb der Europäischen Union ermöglichen und wenn wir
00:03:15: Rückkehrzentren außerhalb der Europäischen Union ermöglichen. Und die Rückkehrverordnung
00:03:20: besagt eben, dass es die Möglichkeit gibt, solche Rückkehrzentren auch einzurichten.
00:03:25: Und das wird dazu führen, dass Europa und damit auch Österreich weiter massiv entlastet wird.
00:03:32: Moderatorin: Was umfasst das EU-Gesetz alles?
00:03:35: Karner: Was umfasst das Gesetz. Also zunächst, was wichtig ist, dass wir - das Gesetz ist das eine,
00:03:43: Papier ist geduldig. Viel wichtiger ist, dass wir in die Umsetzung kommen. Und wir haben ja in den
00:03:48: letzten Monaten, letzten Jahren auch viele Punkte verändert, verschärft, was dazu geführt hat,
00:03:58: dass die Zahl an illegalen Grenzübertritten massiv gesunken ist und auch die Zahl der Asylanträge
00:04:04: massiv gesunken ist. Nur 2 wenige Zahlen: Etwa an der burgenländisch-ungarischen Grenze,
00:04:11: das ist jene Grenze, die über Jahre massiv über Gebühr belastet war, sind die Zahlen massivst
00:04:17: zurückgegangen. Vor 4 Jahren beispielsweise hatten wir in einer Woche über 3000, 3000 illegale
00:04:23: Grenzübertritte. Jetzt waren es letzte Woche, glaube ich, 16 oder 17. Das ist eine massive
00:04:28: Reduktion. Das ist das eine. Und das zweite ist, dass wir auch bei den Asylanträgen massiv gesunken
00:04:36: sind, was real bedeutet, dass wir beispielsweise in den ersten 4 Monaten dieses Jahres es so war,
00:04:43: dass mehr Asylantragsteller das Land verlassen haben als zusätzliche Asylanträge dazu gekommen
00:04:50: sind. Das heißt, es gelingt hier eine Entlastung für die Bevölkerung herbeizuführen. Das muss aber
00:04:55: nachhaltig abgesichert werden und daher diese Regelungen national, aber auch auf europäischer
00:05:01: Ebene. So, jetzt nur, was beinhaltet diese Regelung, ist das, was ich gesagt habe,
00:05:07: dass wir ins Tun kommen. Papier ist geduldig, Gesetze sind schnell geschrieben. Meist viel
00:05:14: wichtiger ist das konkrete Projekt. Daher hat Österreich gemeinsam mit Deutschland, Dänemark,
00:05:19: Niederlande und Griechenland eine sogenannte Gruppe der Umsetzer gegründet, die gesagt haben,
00:05:24: wir wollen ganz konkret Länder oder mit Ländern Gespräche führen, die Partner sein könnten,
00:05:34: ein derartiges Rückkehrzentren mit uns in dieser Gruppe umzusetzen. Diese Gespräche haben schon vor
00:05:41: einigen Monaten dazu begonnen. Wir haben aber auch vereinbart in dieser Gruppe der Umsetzer,
00:05:47: dass wir darüber Stillschweigen haben. Warum? Weil wir auch unsere Gesprächspartner nicht vor
00:05:52: den Kopf stoßen wollen. Weil es darum geht etwas umzusetzen. Nicht etwas anzukündigen,
00:05:57: sondern konkret umzusetzen. Und jetzt noch mal, was ist unser Zeitplan,
00:06:00: den wir uns vorgenommen haben? Wir wollen bis Jahresende konkret ein Land als außerhalb der
00:06:06: Europäischen Union definiert haben, so dass wir nächstes Jahr ganz konkret auch in die
00:06:10: Umsetzung kommen. So stelle ich mir vor, wie man ganz konkret Dinge verändert und auch umsetzt.
00:06:17: Moderatorin: Wie kann man sich so ein Rückkehrzentrum vorstellen in einem Drittstaat?
00:06:24: Karner: Ist zu früh darüber zu reden. Klar ist, dass es nach den europäischen
00:06:30: Regelungen sein muss. Alles andere ist jetzt Inhalt von Gesprächen, die begonnen haben und
00:06:37: die weiterzuführen sind. Entscheidend ist, dass Menschen, die illegal aufhältig sind,
00:06:44: die kein Bleiberecht in Österreich haben, Österreich auch wieder verlassen
00:06:48: müssen. Und damit man vielleicht eine gewisse Vorstellung bekommt, wie so etwas sein könnte,
00:06:59: erzähle ich ein Beispiel: Ich war im letzten Jahr in Jordanien und habe mir ein Flüchtlingslager
00:07:08: von syrischen Flüchtlingen angesehen in Jordanien, Nachbarland von Syrien. Zaatari
00:07:12: nennt sich dieses Flüchtlingslager. Dort sind, wie ich dort war, waren ungefähr 80.000 syrische
00:07:18: Flüchtlinge untergebracht. Zu Spitzenzeiten waren dort 140.000. Dieses Lager ist,
00:07:24: wie ein Flüchtlingslager eben organisiert ist. Da gibt's natürlich etwas zu essen,
00:07:29: werden die Menschen versorgt, aber es gibt auch Schulen, es gibt Spitäler. Es ist kein Luxus
00:07:34: klarerweise, aber die Menschen sind dort sicher auch untergebracht. Weil sie ihr Land aufgrund des
00:07:39: Bürgerkrieges in Syrien verlassen mussten, sind sie eben ins Nachbarland geflohen und haben dann,
00:07:45: nachdem sie nach einer gewissen Zeit gesehen haben – und das war dann eben im Jahr 2015 so
00:07:51: und im Jahr 2022 so, als viele gekommen sind – die Perspektivenlosigkeit gesehen haben,
00:07:57: dass in ihrem Land, Heimatland Syrien, kein Frieden kommt, haben diese Flüchtlingslager
00:08:04: verlassen und sind Richtung Europa gegangen und haben dann ihre Familie nachgeholt. Das waren die,
00:08:08: was wir erlebt haben, 2015 und 2022. Und da sage ich, warum soll es nicht auch die andere Richtung
00:08:14: letztendlich geben. Wenn ich sehe, dass in dem Land wieder Ruhe einkehrt, aber vielleicht doch
00:08:20: nicht alles so ist, wie man sich das vorgestellt hat, warum soll man nicht zumindest in die Region
00:08:24: zurückkehren, Ja, zurückkehren müssen. Also, diese Möglichkeiten haben wir mit den neuen Regelungen.
00:08:31: Moderatorin: Sie befürworten diese Lösung. Warum eigentlich?
00:08:34: Karner: Ich befürworte sie nicht nur, ich habe jetzt jahrelang dafür gekämpft. Bin jetzt über
00:08:39: viereinhalb Jahre Innenminister und als ich vor dreieinhalb Jahren, als Österreich ganz besonders
00:08:44: auch von einer, illegaler Migration betroffen war, die Zahlen genannt an der burgenländischen Grenze,
00:08:51: habe ich gesagt, wir müssen darüber reden, wie wir solche Rückkehrzentren einrichten. Gemeinsam mit
00:08:56: Dänemark haben wir ein Projekt vorangetrieben. Es war damals ganz konkret Ruanda. Damals gab's
00:09:02: die rechtlichen Möglichkeiten nicht. Ich habe gesagt, wir müssen auch wieder Richtung Syrien
00:09:06: und Richtung Afghanistan abschieben. Da haben zwei Drittel der europäischen Länder den Kopf
00:09:11: geschüttelt, wie man so etwas vorschlagen kann. Jetzt ist es Gott sei Dank so, dass alle, fast,
00:09:17: praktisch alle europäischen Länder der Meinung sind, dass wir das tun sollen. Und daher sind
00:09:21: wir auch oder war Europa auch bereit, hier die Regeln klar zu ändern, Ja, zu verschärfen.
00:09:28: Moderatorin: Was für ein Signal wird hier von der EU gesendet? Wie ist
00:09:32: hier der weitere Fahrplan für die einzelnen Mitgliedstaaten, auch für Österreich jetzt?
00:09:37: Karner: Ja, der Fahrplan war so, dass wir eben vor wenigen Tagen,
00:09:42: dass der Asylpakt in Kraft getreten ist, die nationale Umsetzung. Ist gesagt und ich erwarte
00:09:51: mir jetzt nicht von der ersten Sekunde oder von den ersten Tagen an Wunderdinge davon,
00:09:55: aber ich erwarte mir einfach deutlich weitere Verbesserungen. Und ich habe die Zahlen genannt,
00:09:59: wir haben uns schon massiv verbessert, sind die Zahlen massiv zurückgegangen. Aber unser
00:10:04: Job ist es ja nicht, auf dem auszuruhen und ich sage immer, das ist kein Grund zum Jubeln,
00:10:09: dass dem so ist, sondern es ist Auftrag hart in diese Richtung auch weiterzuarbeiten,
00:10:14: sich nicht darauf auszuruhen, sondern das auch nachhaltig abzusichern. Ich glaube,
00:10:19: das ist ganz entscheidend. Ein Asylsystem kann nur funktionieren, wenn es streng,
00:10:23: hart und damit gerecht ist, wenn es vor Missbrauch geschützt wird. Denn nur dann kann man auch jenen
00:10:30: helfen, die tatsächlich auch unsere Hilfe brauchen. Und das soll es auch so sein.
00:10:34: Moderatorin: Kommen wir nun zu einem anderen Thema und zwar, haben Sie vor kurzem, wurde
00:10:41: der 2-millionste Reisepass ausgestellt. Er ist einer der sichersten seiner Art weltweit. Warum?
00:10:49: Karner: Ja, weil sich gescheite Menschen Gutes überlegt haben, im konkreten die
00:10:55: österreichische Staatsdruckerei, die da Partner des Innenministeriums ist, aber nicht nur,
00:10:59: sondern gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt und dem Landeskriminalamt Niederösterreich,
00:11:04: die Expertinnen und Experten in diesem Bereich sind, die große Erfahrung haben von
00:11:09: den Flughafenkontrollen zum Beispiel, welche Dinge werden gefälscht, was wird gefälscht.
00:11:13: Und wenn man diese Erfahrung hat und gleichzeitig eine gute Technologie hat wie die Österreichische
00:11:20: Staatsdruckerei, dann gelingt es eben, so einen Pass zu entwickeln, wie wir ihn entwickelt haben.
00:11:27: Wie gesagt, 2 Millionen davon sind mittlerweile ausgestellt worden. Fälscher haben sich einige
00:11:31: Male daran versucht und sie sind, und das ist das Erfreuliche, bisher kläglich daran gescheitert,
00:11:37: weil es eben Sicherheitsmerkmale gibt, mit denen eben diese Fälscher nicht gerechnet haben,
00:11:43: dass es so etwas überhaupt gibt. Und da kann man auch beruhigt sein, weil das auch wichtig ist,
00:11:48: dass das Dokument, das zum Reisen da ist, für einen persönlich eben nicht gefälscht werden kann,
00:11:56: nicht benutzt werden kann, nicht missbraucht werden kann und weil es auch gewährleistet,
00:12:00: dass damit auch nicht andere Dinge gemacht werden. Und daher glaube ich können wir sehr
00:12:05: stolz auf dieses Dokument sein, das übrigens auch sehr schön ist und gelungen aussieht.
00:12:11: Moderatorin: Wie schaut es mit dem Fälschungsschutz
00:12:14: und Weiterentwicklungen aus in Zukunft?
00:12:17: Karner: Also, das passiert ja laufend. Das passiert laufend. Wenn man sieht,
00:12:21: dass Fälscher etwas probieren, dann werden die Kriminalisten aufmerksam darauf und dann wird
00:12:26: man natürlich danach trachten und diese Lücken auch schließen. Wo es Lücken gibt,
00:12:33: das kann ich Ihnen versprechen, werde ich Ihnen nicht verraten, weil es keine gibt.
00:12:39: Moderatorin: [Lacht] Na, dann super. Vielen Dank für die spannenden Einblicke.
00:12:43: Karner: Sehr gern.
00:12:44: Moderatorin: Das war eine weitere Folge von "Am Ballhausplatz", den Podcast des
00:12:48: österreichischen Bundeskanzleramts. Nachzuhören überall dort, wo es Podcasts gibt. Vielen Dank.
00:12:53: Karner: Danke schön.
00:12:56: [Musik]