Folge 11: Aufschwung. Gerechtigkeit. Reformen. – Das Doppelbudget 2027/28
Shownotes
Das Doppelbudget 2027/2028 steht unter dem Motto „Aufschwung, Gerechtigkeit, Reformen“. Bundeskanzler Christian Stocker spricht über die wirtschaftliche Lage Österreichs, die Senkung der Lohnnebenkosten und weitere Schwerpunkte des Budgets sowie Investitionen und geplante Reformen.
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00:00:00: [Musik] Die gesamte
00:00:00: Konsolidierung macht 5 Milliarden aus und 2 Milliarden alleine davon sind für die
00:00:06: Lohnnebenkostensenkung, weil das so wichtig ist. Das ist Wettbewerbsfähigkeit für unsere
00:00:11: Wirtschaft. Das bedeutet Arbeitsplätze 10.000 bis 12.000 neue Arbeitsplätze und das bedeutet,
00:00:18: dass die Firmen auch wieder investieren werden in Gebäude, in Infrastruktur und dass damit
00:00:25: auch wieder der Aufschwung möglich sein wird, und Wohlstand gesichert werden kann. Und allen
00:00:30: Unterrufen zum Trotz. Die Lohnnebenkostensenkung ist vereinbart. Sie wird kommen.
00:00:37: Moderatorin: Willkommen am Ballhausplatz, dem Podcast des österreichischen Bundeskanzleramts.
00:00:43: Mein Name ist Amra Mulic und gemeinsam blicken wir hinter die Kulissen und sprechen über
00:00:47: aktuelle Schlagzeilen. Das Doppelbudget für die Jahre 2027/2028 wurde vorgestellt. Es ist
00:00:55: ein Budget in einer Krise. Wir befinden uns in einer Zeit, geprägt von wirtschaftlichen
00:01:00: und geopolitischen Herausforderungen. Dies ist nun das zweite Doppelbudget,
00:01:05: welches diese Bundesregierung vorstellt, unter dem Motto Aufschwung, Gerechtigkeit, Reformen.
00:01:11: Herzlich willkommen, Herr Bundeskanzler. Bundeskanzler Christian Stocker: Danke
00:01:14: Moderatorin: Herr Bundeskanzler, vor etwas mehr als einem Jahr hat diese Bundesregierung
00:01:19: Verantwortung für unser Land übernommen. Auch damals schon stand Österreich vor
00:01:23: großen Herausforderungen. Wie ist die Situation heute? Wie steht Österreich heute im Vergleich da?
00:01:29: Stocker: Wenn wir ein wenig zurückschauen, es ist ja etwas mehr als ein Jahr her,
00:01:35: als diese Bundesregierung ihr Amt angetreten hat, dann war damals die Prognose wenig erbaulich.
00:01:43: Wir haben ein Rezessionsjahr vorhergesagt bekommen. Wir haben Inflationsraten gesehen,
00:01:49: die uns sehr besorgt haben, weil wir gewusst haben, was sich aus hohen Inflationsraten ergibt:
00:01:55: Nämlich hohe Lohnabschlüsse, damit Verlust von Wettbewerbsfähigkeit,
00:02:00: damit auch Verlust von Wachstum. Und das alles in einer Zeit, die auch geopolitisch unsicher ist.
00:02:07: Wir erleben eher mehr als weniger Konflikte. Und in dieser Situation waren die Aussichten für die
00:02:14: Bundesregierung durchaus herausfordernd. Und wir haben es damals geschafft, ein Doppelbudget auf
00:02:21: den Weg zu bringen, wo uns vorhergesagt wurde, dass es nicht ausreichen wird, damit wir aus
00:02:26: dem Defizitverfahren herauskommen, dass wir die Ziele nicht erreichen werden, dass wir es nicht
00:02:31: einhalten können und vieles andere auch. Und in diesem Jahr haben wir gezeigt, dass wir das, was
00:02:37: wir versprochen haben, tatsächlich auch liefern. Das Doppelbudget wurde eingehalten. Es wurde sogar
00:02:43: übererfüllt, nämlich um fast 4 Milliarden Euro für den Bund. Wir haben den Defizit-Pfad nicht
00:02:50: nur eingehalten, damit wir herauskommen aus diesem Verfahren, sondern wir waren unter den Werten,
00:02:56: die wir uns selbst gegeben haben und die wir nach Brüssel gemeldet haben. 4,5 % Defizit war der
00:03:02: Plan, 4,2 sind am Ende herausgekommen. Das heißt, nach einem Jahr sind wir besser dagestanden als
00:03:10: zu Beginn dieser Regierung. Und im Jänner hatten wir auch 2-1-0 erreicht, nämlich 2 % Inflation,
00:03:18: 1 % Wirtschaftswachstum sogar in der Prognose übertroffen, 1,2 bis 1,3 wurden uns prognostiziert
00:03:25: im Jänner, und auch null haben wir erreicht, nämlich erstmals mehr Außerlandesbringungen
00:03:31: als Erstanträge im Asylverfahren. Das hat gezeigt, dass wir es können und dass das,
00:03:38: was wir uns vornehmen, weder utopisch ist noch unrealistisch, sondern Wirklichkeit wird.
00:03:44: Und jetzt gibt's den Krieg im Iran. Das hat uns natürlich wieder zurückgeworfen, das muss man auch
00:03:50: offen ansprechen. Ich bin aber überzeugt, dass das, was im Jänner möglich war, auch in Zukunft
00:03:57: wieder möglich sein wird. Und deshalb haben wir wieder ein Doppelbudget derzeit im Parlament in
00:04:03: Diskussion und ich gehe davon aus, wir werden es beschließen. Deshalb werden wir die Ziele wieder
00:04:08: erreichen, so wie in der Vergangenheit und auch alle, die uns was anderes vorhersagen, einmal
00:04:15: mehr davon überzeugen, dass diese Regierung das, was sie sich vornimmt, auch tatsächlich liefert.
00:04:22: Moderatorin: Warum aber wieder ein Doppelbudget? Stocker: Wir haben gute Erfahrungen gemacht mit
00:04:27: dem Doppelbudget, dass wir zu Beginn beschlossen haben, weil es Sicherheit gibt. Und die Zeiten
00:04:33: sind unsicher genug. Und es gibt auch Stabilität. Weil ein 2-Jahres-Zeitraum ist zwar genauso schwer
00:04:40: zu planen wie ein 1-Jahres-Zeitraum, da ist nicht mehr viel Unterschied bei all diesen
00:04:44: Unsicherheiten, aber ein 2-Jahres-Zeitraum ist ein Zeitraum, wo wir nicht jedes Jahr
00:04:49: diese Verhandlungen von neuem beginnen müssen und einen längeren Planungshorizont und längere
00:04:56: Zielsetzungen festschreiben. Und so gesehen glaube ich, dass gerade in Zeiten wie diesen,
00:05:02: es eine große Leistung ist, wenn eine Regierung innerhalb von etwas mehr als einem Jahr,
00:05:07: seit wir begonnen haben, für 4 Jahre das Budget vereinbaren kann. Und dass das zeigen soll:
00:05:14: Diese Regierung ist handlungsfähig, sie ist entscheidungsfreudig und sie ist auch stabil,
00:05:20: berechenbar und verlässlich. Und um das zu zeigen, haben wir auch wieder ein Doppelbudget vorgelegt.
00:05:25: Moderatorin: Das Doppelbudget wurde unter dem Motto "Aufschwung, Gerechtigkeit Reformen"
00:05:29: vorgestellt. Was sagt uns dieses Motto? Stocker: Ich glaube, dass diese Worte,
00:05:34: jedes für sich, sehr wichtig sind und sie sind nicht zufällig gewählt. Aufschwung klingt in
00:05:39: Zeiten wie diesen wie Wunschdenken. Aber wenn man sich keine Ziele setzt, dann wird man auch nichts
00:05:46: erreichen. Und wir brauchen den Aufschwung. Wir haben gezeigt, ich habe es vorhin erwähnt,
00:05:50: er ist möglich und er wird auch wieder erreichbar sein. Ich halte daher an dem Aufschwungsziel fest
00:05:58: und damit wir ihn erreichen und nicht nur aufs Papier schreiben, sondern in die Realität bringen,
00:06:04: haben wir die Lohnnebenkostensenkung mit 2 Milliarden Euro vereinbart. Das ist ein
00:06:09: riesiges Volumen. Die gesamte Konsolidierung macht 5 Milliarden aus und 2 Milliarden alleine davon
00:06:17: sind für die Lohnnebenkostensenkung, weil das so wichtig ist. Das ist Wettbewerbsfähigkeit für
00:06:22: unsere Wirtschaft. Das bedeutet Arbeitsplätze, 10.000 bis 12.000 neue Arbeitsplätze und das
00:06:29: bedeutet, dass die Firmen auch wieder investieren werden in Gebäude, in Infrastruktur und dass
00:06:36: damit auch wieder der Aufschwung möglich sein wird und Wohlstand gesichert werden
00:06:40: kann und allen Unkenrufen zum Trotz: Die Lohnebenkostensenkung ist vereinbart, sie
00:06:46: wird kommen. Das zum Aufschwung. Gerechtigkeit. Gerechtigkeit heißt, wenn alle etwas zu einer
00:06:54: Konsolidierung beitragen müssen, dann muss es auch fair und gerecht verteilt werden. Und wir
00:06:59: haben in diesem Budget Maßnahmen gesetzt, wo ich mir schon bewusst bin, dass es viele treffen wird,
00:07:06: fast alle. Aber das ist eben Ausdruck der Gerechtigkeit, dass alle ihren Beitrag leisten,
00:07:12: nach ihren Möglichkeiten, aber halt jeder. Und so gesehen ist die "Sozialhilfe neu",
00:07:18: auch das verpflichtende Integrationsprogramm und vieles andere mehr ein Ausdruck dieser
00:07:24: Gerechtigkeit. Und Reformen, das heißt auch, dass wir unseren Staat verschlanken müssen. Der
00:07:31: Staat ist für die Bürger da und nicht umgekehrt. Daher werden bis 2031 auch 2.000 Planstellen in
00:07:37: der Verwaltung nicht mehr vorhanden sein. Das ist einerseits auch dem demographischen Wandel
00:07:42: geschuldet und das soll hier auch angesprochen werden. Auch dem müssen wir uns stellen.
00:07:47: Das bedeutet, dass im Rahmen der Reformen auch Digitalisierung, künstliche Intelligenz ein großes
00:07:53: Thema sein wird. Also Aufschwung, Gerechtigkeit und Reformen, das kennzeichnet dieses Budget.
00:07:59: Moderatorin: Auf welchen Säulen steht das Budget
00:08:02: 2027/2028? Welche Schwerpunkte wurden gesetzt? Stocker: Wir haben in der Schwerpunktsetzung
00:08:09: eben aus diesem "Aufschwung, Gerechtigkeit, Reformen" abgeleitet, dass wir einerseits
00:08:15: unseren Wirtschaftsstandort stärken müssen. Da habe ich die Lohnnebenkosten schon erwähnt. Aber
00:08:21: nicht nur. Es gibt auch 750 Millionen Euro für ein Industriemaßnahmenpaket. Weil wir sehen,
00:08:28: dass Deindustrialisierung den Wohlstand gefährdet. Der Industriestrom ist ein zusätzliches Element,
00:08:35: wo wir vor allem für energieintensive Betriebe Unterstützung leisten wollen. Wir haben aber
00:08:40: auch die Aktivpension ab 1.1.27 vereinbart. Das bedeutet, dass alle, die mit dem gesetzlichen
00:08:47: Pensionsalter in den Ruhestand getreten sind, aber in der Lage sind und das auch wollen,
00:08:53: weiter tätig zu sein, von dieser Arbeit jetzt mehr haben werden, nämlich 15.000 Euro steuerfrei pro
00:08:59: Jahr. Das ist, glaube ich, ein schöner Zuverdienst in der Pension und dort, wo es möglich ist,
00:09:05: auch ein Zeichen, dass, wenn man mehr leistet, man mehr davon hat. Ich sage immer dazu,
00:09:11: ich weiß, erstens man muss in der Lage dazu sein gesundheitlich und Umstände vorfinden,
00:09:16: die das erlauben und die Möglichkeit haben. Aber dort, wo das gegeben ist, haben wir eben mit der
00:09:22: Aktivpension eine Maßnahme gesetzt, wo man mehr Netto von Brutto hat. Und wir investieren auch
00:09:30: massiv in die Sicherheit dieses Landes. Wir sehen, dass vor allem auch die äußere Sicherheit, die
00:09:36: Verteidigungsfähigkeit unter ganz neuen Maßstäben zu sehen ist. Stichwort Drohnenkrieg. Das heißt,
00:09:44: wir werden für die beiden Jahre im Doppelbudget 27/28 mehr als 10 Milliarden Euro in unsere
00:09:51: Landesverteidigung und damit in die Sicherheit der Menschen in diesem Land investieren. Ist
00:09:56: auch eine wichtige Säule in diesem Budget. Moderatorin: Was bedeutet das Budget in
00:10:01: Zahlen? Wo wird investiert und wo wird gespart? Stocker: Einiges habe ich schon erwähnt. Auf
00:10:06: der Investitionsseite, vor allem bei den Lohnnebenkosten, nehmen wir 2 Milliarden
00:10:10: Euro in die Hand, aber natürlich auch für den Wirtschaftsstandort, darüber hinaus mit 750
00:10:15: Millionen für die Industrie, Industriestrombonus oder Industriestrom. Und wir haben natürlich auch
00:10:22: die Bauern nicht vergessen. Unsere Landwirtschaft ist uns wichtig. Daher gibt's den Agrardiesel
00:10:28: nicht nur wieder, sondern auch mit der Rückvergütung vorgezogen bereits 2026 sind
00:10:34: auch etwa 100 Millionen Euro und die Aktivpension habe ich auch erwähnt. Das heißt, das alles sind
00:10:40: auf der Investitionsseite Maßnahmen, die für den Aufschwung und für die Leistung stehen. Auf der
00:10:46: Sparseite sehen wir, dass wir bei 2.000 Stellen nicht nachbesetzen wollen bis 2031. Das heißt, wir
00:10:53: verringern 2.000 Planstellen in der allgemeinen Verwaltung. Ausgenommen, und das ist wichtig,
00:11:00: Polizei, Justiz, Bildung und Gesundheit. Das heißt, in diesen Bereichen nicht, aber in den
00:11:06: anderen natürlich schon. Und allgemein haben wir in der Verwaltung ja ein Einsparungsvolumen von
00:11:11: 1,1 Milliarden Euro schon realisiert. Wir werden das steigern auf 1,5 Milliarden Euro. Also noch
00:11:18: einmal etwas drauflegen. Und wir haben auch bei den Förderungen Kürzungen vorgenommen, beginnend
00:11:25: mit 150 Millionen Euro pro Jahr, steigernd auf bis 800 Millionen Euro pro Jahr. Das bedeutet
00:11:32: bis 2031 insgesamt ein Volumen von 3,5 Milliarden Euro, das wir hier einsparen werden. Das heißt,
00:11:39: es ist ein Mix an Investitionsmaßnahmen und auch natürlich Konsolidierungsmaßnahnahmen, damit
00:11:45: wir 2028 aus dem Defizitverfahren herauskommen. Moderatorin: Vielen Dank, Herr Bundeskanzler für
00:11:51: die spannenden Einblicke in das Doppelbudget 2027/2028. Das war eine weitere Folge "Am
00:11:58: Ballhausplatz", den Podcast des österreichischen Bundeskanzleramts. Nachzuhören überall dort,
00:12:04: wo es Podcasts zu hören gibt. [Musik]